Der Bata-Park – die Auferstehung einer (fast) Geisterstadt

In den 1930er Jahren baute die bis heute bestehende tschechische Schuhfabrik «Bata» in einem damals noch verschlafeneren Nest namens Möhlin eine neue Fabrikanlage mitsammt eigenem Dorf. Und glaubt man der Website des Dorfes, war dort sogar ein Flughafen geplant.

Es sollte ein Meisterwerk werden, ein Industrieort als Vorzeigemodell…! Als aber der Firmangründer verstarb blienb vom Tarum nicht mehr viel übrig, und der geplante Ausbau stagnierte.

Wer nun glaubt, dass sei es nun gewesen mit der Vision eines Unternehmers in den 30ern, der irrt. Der Bata-Park wurde immer wieder Gegenstand wildester Spekulationen. Im Jahre 2000 kam aufgrund einer Handelsregister Meldung das Gerücht auf, dass in Möhlin (!) die grösste Internetuniversität der Welt entstehen sollte – dies natürlich auf dem Areal des Bata-Parks:

Betrieb der virtuellen Universität in Möhlin mit globalem Netzwerk, Aufbau und Betrieb der entsprechenden logistischen, technischen und administrativen Infrastruktur für den internationalen Austausch von akademischen Inhalten aller Art, Forschung und Entwicklung sowie Verkauf von graduierten und nicht graduierten Seminarien und Lehrgängen auf der Basis von virtuellen Kommunikationstechnologien; die Gesellschaft kann sich an anderen Unternehmen beteiligen, Zweigniederlassungen errichten sowie Immobilien kaufen, verkaufen und verwalten.

… hiess es in der amtlichen Publikation. Das ganze war denn wohl doch zu schön um wahr zu sein und entpuppte sich als Schwindel.

Wie sich im Laufe der Jahre zeigte, fanden sich kaum seriöse Interessenten. Doch vor etwas mehr als 2 Jahren erstand die «Jakob Müller AG» den Bata-Park. Wer hinter diesem namen nun wieder Hokuspokus erwartet liegt falsch, denn diese Firma ist…

…auf dem Weltmarkt führend (…) in Entwicklung und Produktion von Bandwebmaschinen. Weil man sich bei der traditionsreichen Firma der besonderen Bedeutung des Bata-Parks bewusst ist, sollen die Bauten Schritt für Schritt erneuert werden. Als erstes wird der Gewerbeteil renoviert, später folgt der Wohnteil.
Wer nun fürchtet, der Geist des Bata-Parks könnte dabei verloren gehen, kann den Veränderungen ruhig entgegen sehen. Bedenken dieser Art sind unbegründet, weil die gesamte Planung von Fachleuten aus Denkmalpflege und Heimatschutz begleitet wird. Die beiden dreigeschossigen Produktionsgebäude sowie das Wohlfahrtshaus stehen nämlich unter Denkmalschutz. Zudem werden alle Bauvorhaben im Bata-Park durch eine ständige, den Gemeinderat von Möhlin beratende Fachkommission begutachtet. Besonders erfreulich: Die Jakob Müller AG will am Konzept aus den 30er-Jahren festhalten, welches Wohnen und Arbeiten miteinander verbindet.
Schon sehr bald wird ein Teil der Müller-Produktion und damit 150 Arbeitsplätze nach Möhlin verlagert. Und in den Wohnhäusern sollen künftig wieder vorzugsweise Fabrikangestellte und ihre Familien leben. Tomas Batas Geist feiert auf dem geschichtsträchtigen Gelände also seine Wiederauferstehung.

Soweit alles schön und recht – doch warum erzähle ich Euch das alles?
Ganz einfach: Gesiterstädte finden sich nicht nur in den alten Goldgräber-Regionen des Wilden Westens oder in unserer Phantasie, sondern auch direkt vor unserer Haustür. Und da ich die Geschichte doch recht faszinierend fand, machte ich sie kurzerhand zum Gegenstand eines etwas anderen Beitrages auf dieser Plattform!
Wer weiss, vielleicht erlebt der Bata-Park mit diesem Artikelchen den einen oder anderen Besucher, welcher vielleicht genau wie ich in der Region wohnt und von diesem «Industrie-Denkmal von nationaler Bedeutung» (so moehlin.ch) (noch) gar nicht wusste….